Karibik

Mehr als ein Strand

Ausgabe 97: Amazonas
Ausgabe 97: Amazonas

Gehört die Karibik zu Lateinamerika? Das wird sich mancher Matices-Leser fragen. Auch in der Redaktion war dieser Punkt zunächst umstritten. Es spricht jedoch vieles dafür: Je nach Definition bezieht der Begriff „Karibik" die Küsten vieler zentral- und südamerikanischer Staaten mit ein; einige von ihnen teilen sich mit den karibischen Staaten die Mitgliedschaft in verschiedenen Integrationsvereinigungen; kulturell stehen Belize und Guayana, aber auch die zuvor erwähnten Küstengebiete, oft den karibischen Inseln näher als dem Hinterland im eigenen Staatsgebiet; drei große karibische Staaten teilen sich mit dem Rest des Kontinents die Sprache; viele Inseln im karibischen Raum gehören den Anrainerstaaten: Die kolumbianische Insel St. Andres zum Beispiel ist immer noch ein Zankapfel zwischen Kolumbien und Nicaragua; die Karibik war außerdem der Ausgangspunkt für die weitere Entdeckung und Eroberung des gesamten Kontinents.

 

Auf vielen Inseln findet sich eine Mischung aus englischer, französischer und spanischer Kultur, da die Inseln - häufig mehrfach - den Besitzer wechselten. Einst besaßen sogar Dänemark (Jungfern-Inseln) und Schweden (St. Barthélemy) Inseln in der Karibik. Hinzu kommt der Einfluss zahlreicher Kontrakt Arbeiter aus Asien und dem Nahen Osten. Vor allem die

 

Kreolsprachen sind lebender Beweis dieser kulturellen Vermischung „Die ganze Welt kreolisiert sich, meint der Schriftsteller Edouard Glissant. Und tatsächlich sehen viele Experten in der Karibik die Wiege einer neuen universalen Kultur, so auch der Literaturwissenschaftler Ottmar Ette: Der Vernetzungsraum der Karibik stellt die vielleicht größte Herausforderung für die zukünftige Weltgesellschaft dar:..) die Karibisierung hat jenseits aller Illusionen manche Grundelemente für künftige Entwicklungen im Weltmaßstab bereit." Denn trotz aller Unterschiede überwiegen in der Karibik die Gemeinsamkeiten: das afrikanische Erbe und die koloniale Geschichte.

 

„Wir sind mehr als ein Strand", verkündeten einst die karibischen Tourismusminister, doch die meisten Reisenden, vor allem die Europäer, sehen in der Karibik eben aus diesem Grund einen Zufluchtsort, während viele Kariben die Region Richtung USA verlassen. Die karibische Diaspora in New York umfasst mehr Menschen als manche größere Insel.

 

Auch um die Klischees über die Islands in the Sun" -es gebe nur Lebensfreude, Musik, Tanz, Farbenvielfalt, Natur- und andere Schönheiten und vor allem Freiheit unter tropischer Nonne f einen Kontext stellen, der der Realität entspricht Wellblechhütten ohne Wasser und Strom, Polizeigewalt in Jamaica, steigende Prostitution auf Kuba oder die Armut in Haiti-haben wir diesen Schwerpunkt gewählt Johnny Depp tobt derzeit als Pirat in der Karibik über die Kinoleinwände; Matices bietet Ihnen einen differenzierteren Blick auf dieses hochinteressante Mosaik der Kulturen.

 

die redaktion

Inhaltsverzeichnis

Kultur

  • Max Aub. Ein vergessenes Genie
  • El desfile del amor. Entrevista con Sergio Pitol
  • Los sonidos de Babel. América Latina en el 3er Festival Internacional de Literatura en Berlín
  • Unglückliche Ereignisse in der Sperrsitzabteilung. Francisco de Goyas Tauromaquia in der Hamburger Kunsthalle
  • Die Blonden. Junge argentinische Filmemacher zu Gast in Locarno
  • filmTIPPS
  • Sinfonie der Straße. Die venezolanische Jugendorchesterbewegung
  • Lagerhausmusik & Familienwerte. Interview mit Panteón Rococó
  • musikTIPPS

 

Reisen

  • Kuba: Die alten Männer und der Son
  • Venezuela: Sauerkraut unter Kokospalmen
  • Peru: Sacsayhuamán. Festung des zufriedenen Falken

Rezensionen

  • Insel der Musik
  • Die Hölle. Eine Frau im chilenischen Geheimdienst
  • Inflation und sanierende Wirtschaftsreformen in Brasilien
  • Eroberung der Karibik
  • Mietwohnung oder Eigenheim unter spanischer Sonne
  • "Das Leben ist alles andere als ein Kinderspiel."


Ausgabe 39: Die Karibik - Mehr als ein Strand

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