Ausgabe 87: Wo steht Portugal?


Artikel zum Lesen

Es war einmal ein Land der Bäume

Gesellschaft

Guatemala bekämpft Korruption und Drogenhandel, aber für die humanitäre Krise im Dürrekorridor fehlt das Geld

von Katharina Mauz

In Guatemala und in großen Teilen Mittelamerikas leidet die Bevölkerung seit Jahren unter den Folgen des Klimawandels. Das Klimaphänomen El Niño führt dazu, dass es an der Westküste Mittelamerikas heißer ist und die Trockenperioden länger anhalten. Der Regen bleibt aus und die Pflanzen tragen keine Früchte. 2015 stuften die Vereinten Nationen die Situation im sogenannten Dürrekorridor als besonders gravierend ein, und für 2016 gibt es wenig Anzeichen der Besserung. Nothilfe wird dringend benötigt, aber ein großer Teil des Staatsetats wird für den Kampf gegen den Drogenhandel und die Organisierte Kriminalität ausgegeben. Institutionen wie der Arbeiter-Samariter Bund leisten Hilfe vor Ort.

"Wir wollen die Austeritätspolitik rückgängigmachen"

Schwerpunkt

Fabian Figueiredo im Interview über Portugal und die Partei Bloco de Esquerda

Interview von André Araújo Soares

Bei den letzten Wahlen kam es zu einem Regierungswechsel in Portugal. Das Konservative Bündnis verlor 13 Prozent der Stimmen und verpasste damit die absolute Mehrheit. Obwohl sie die stärkste Partei bleibt, regiert jetzt die Sozialistische Partei. Dies ist möglich, weil der Linksblock und die Kommunisten die Minderheitsregierung tolerieren. Fabian Figueiredo ist Mitglied des Parteivorstandes des Linksblocks (Bloco de Esquerda). Er spricht über die politische Entwicklung des Landes, die neue Regierung und welche Rolle seine Partei innerhalb des politischen Gefüges hat.

El deseo de ficción

Kultur

El cine de Miguel Gomes

por Roger Koza

El cine de Gomes transgrede cualquier imperativo realista que se le que quiera adjudicar al cine. Otro sistema de selección de acontecimientos se pone en marcha y lo interesante se desplaza a una modalidad de conexión de hechos que la propensión de la conciencia no suele fijar en su funcionamiento diario.



Titelbild Ausgabe 87: Wo steht Portugal?
Ausgabe 87: Wo steht Portugal?

Portugal, am Südwestrand Europas gelegen, war einst das Tor zur Neuen Welt. Im Gegensatz zu seinem iberischen Nachbarn, dessen Ziel es war, schnelle Gewinne zu machen, gingen die Portugiesen, den Aufbau ihres Weltreiches gezielt an. Die Spanier erzählten Geschichten von El Dorado, die Portugiesen hingegen hatten einen Plan. Sie schufen Handelsbeziehungen. Keine Hau-Ruck-Conquista, sondern solider, durchdachter Aufbau von Strukturen. Die Seefahrernation war in ihrem Vorgehen sehr modern. Zwei Drittel der bewohnten Erde entdeckten sie auf dem Seeweg.

 

Als EU-Mitglied gelang es ihnen mit ihrer pragmatischen Art, den ökonomischen Entwicklungsrückstand im europaweiten Vergleich aufzuholen. In manchen Fällen übertrieben sie dabei ein wenig, zum Beispiel beim Straßenbau (umgerechnet auf die Bevölkerung, gibt es in Portugal 60 Prozent mehr Straßen als in Deutschland) und vergaßen darüber ein Pfund, mit dem sie eigentlich wuchern könnten: Ihre Randlage. Portugal besitzt 832 Kilometer Küstenlinie, und ist damit im Verhältnis zur Landmasse, die größte Meeres-Wirtschaftszone Europas.

 

Momentan scheint Portugal nicht recht zu wissen, wohin die Entwicklung geht. Sie sind zum einen fest eingebunden in die EU und befinden sich dort in einer ähnlich prekären Situation, wie ihre südeuropäischen Nachbarn - die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 37,4 Prozent (2014) ähnlich hoch wie in Spanien (56 Prozent) und Griechenland (um die 60 Prozent) - zum anderen ist Portugal weiterhin verbunden mit seinen ehemaligen Kolonien, wohin viele Portugiesen mittlerweile auswandern, weil es dort Arbeit für sie gibt.

 

Die Szene auf dem Titelbild mutet surreal an. Ein Paar roter Schuhe steht verloren in der Lissabonner Innenstadt und zieht verwunderte Blicke auf sich. Es heißt, um sich zu finden, muss man sich erst einmal verlieren. In der EU findet Portugal kaum Beachtung, es scheint verloren, aber vielleicht hat Portugal sich auch gerade auf einem richtigen Weg begeben, um sich erneut zu finden. In unserem Schwerpunkt blicken wir auf das Land und seine Menschen. Wir ziehen Bilanz, fragen, wo Portugal steht, in welchem Zustand es sich befindet. Und wir geben Ausblicke darauf, was zukünftig sein könnte.

 

Eine spannende und aufschlussreiche Lektüre wünscht,

die matices-Redaktion