Ausgabe 92: Lateinamerika im Klimawandel - Konsequenzen, Reaktionen, Perspektiven.


Ausgabe 92: Lateinamerika im Klimawandel
Ausgabe 92: Lateinamerika im Klimawandel

Mit Ausnahme des US-amerikanischen Präsidenten wagt es kaum noch jemand, den Befund ernsthaft in Frage zu stellen: Das weltweite Klima verändert sich und der Mensch ist verantwortlich dafür. Worüber vor wenigen Jahrzehnten noch kontrovers gestritten wurde, gilt heute als unumstößlicher Fakt. Längst ist nicht mehr die Rede davon, den Klimawandel zu verhindern. Es geht nur noch darum, die Erderwärmung und ihre für uns Menschen verheerenden Folgen einzudämmen.

 

Während Mitteleuropa den Klimawandel durchaus zu spüren bekommt – etwa in Form heftiger Herbststürme oder schmelzender Alpengletscher – leiden andere Erdteile noch viel mehr. In einer von so großer Biodiversität gekennzeichneten Region wie Lateinamerika haben selbst geringe klimatische Veränderungen eine enorme Wirkung. Leichte Anstiege der Meerestemperatur führen zu Korallensterben und deutlich heftigeren Tropenstürmen. Verlängerte Trockenzeiten machen der Landwirtschaft zu schaffen. Der schwindende Permafrost destabilisiert die Anden.

 

Hinzu kommt die, euphemistisch ausgedrückt, sozioökonomische Diversität der Region: Die Armen trifft es am härtesten.Während sich die Superreichen in den Großstädten auch weiterhin in Hubschraubern von Hausdach zu Hausdach fliegen lassen werden, erodieren in anderen Gegenden mit den Böden auch die Lebensgrundlagen der Bauern.

 

Der Klimawandel ist vieles: Zeugnis der menschlichen Gedankenlosigkeit der Vergangenheit und bittere Realität im Hier und Jetzt. Düsteres Zukunftsszenario und Jahrhundertherausforderung. Aber vielleicht auch Antrieb eines gesellschaftlichen Umdenkens hin zu nachhaltigem Wirtschaften und einem Zusammenrücken der Gesellschaft. Denn noch kann der Mensch gegensteuern und den Veränderungen begegnen, die er selbst ausgelöst hat.

 

In dieser Ausgabe werden wir einige Facetten dieses Kampfes im lateinamerikanischen Kontext thematisieren. Den Anfang macht die „Energiewenden in den Kinderschuhen“ - eine Übersicht zu den unterschiedlich weit gediehenen Anstrengungen zur Abkehr von fossilen Energien in der Region. Auch die Karibik wird behandelt, obwohl sie streng genommen nur teilweise zu Lateinamerika gehört. Doch besonders die Hurrikans des vergangenen Sommers haben Aufmerksamkeit erregt. Dr. Horst Michael Vogel berichtet von weiteren Herausforderungen des Klimawandels auf den fragilen Lebensraum und was auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit dort leisten kann. Außerdem Daniel Fonseca aus Costa Rica: Das Land setzt bereits seit geraumer Zeit auf Hydroenergie und nachhaltigen Tourismus. Wasserkraft spielt auch in Kolumbien eine wichtige Rolle. Doch im Artikel „Colombia enfrenta el cambio energético“ wird aufgezeigt, dass diese Form der Energiegewinnung nicht unproblematisch ist. Einige Probleme bringt auch der Abbau von Lithium für E-Auto-Batterien mit sich, wie Sophia Boddenberg aus Chile zu berichten weiß. Und zu guter Letzt geht es nach Brasilien: Wie äußert sich der Klimawandel im ohnehin sensiblen Amazonas-Gebiet?

Artikel zum Lesen

Kindgerechtes Arbeiten

Gesellschaft

Minderjährige in Bolivien kämpfen für ein Recht auf Arbeit

von Hester Samoray

Nach internationalen Menschenrechten ist Kinderarbeit unter 14 Jahren verboten. In Bolivien ist sie aufgrund von Armut aber oft überlebensnotwendig. Seit 2014 gibt es deshalb einen neuen gesetzlichen Ansatz, der als politischer Kompromiss gilt. Für den hat sich die Kindergewerkschaft NATs von Potosí eingesetzt. Jetzt, drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes, sind immer noch viele Fragen offen.

Energiewenden in den Kinderschuhen

Schwerpunkt

Lateinamerika zwischen Aufbruchsstimmung und fossilen Eliten

von Christian Denzin

Lateinamerika wird hinsichtlich erneuerbarer Energien ein riesiges Potenzial bescheinigt. Die natürlichen und geothermischen Gegebenheiten prädestinieren den Subkontinent für eine Vorreiterrolle im Kampf gegen die globale Erderwärmung. Doch alte Machtstrukturen, Abhängigkeiten von fossilen Eliten und sozio-politische Konflikte erschweren den Weg zu einer klimafreundlichen Energiepolitik. 

Systema solar

Kultur

Un colectivo musical que vibra con su país y el mundo promoviendo la dignidad

por Julia Brekl

Desde hace ya 11 años el colectivo músico-artístico colombiano llena las salas de baile y concierto a nivel mundial electrizando con su energía de barrio del caribe y un estilo propio que ellos mismos llaman “Berbanautika” – mezcla de sonidos de sistema “pikós” y fiesta popular. Los conciertos de la banda son una experiencia audio-visual, un sumergirse en la cultura y el folklore colombiano, siempre con un toque de crítica social. Mientras tanto el grupo representa una de las instancias más importantes de la música popular del país influyendo a recientes artistas de la región. Matices habló con Indigo, uno de los cantantes del grupo, entre otros sobre los comienzos del colectivo y el “boom” de la música colombiana.



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