Ritus und Rhythmus

Bewegung, Musik und Gesang – ganz verschiedene Gruppen und Gemeinden nutzen diese kraftvolle Mischung seit Jahrhunderten, um ihren Glaubensvorstellungen Ausdruck zu verleihen und um miteinander religiöse oder spirituelle Feste zu feiern. In dieser Ausgabe von matices beschäftigen wir uns mit rituellen Tänzen in und aus Lateinamerika: Bewegung, Körper und Musik sind nicht nur in vielen Religionen und Ritualen ein grundlegender Aspekt, sondern auch für individuelle Lebensphilosophien. Egal, ob es sich um traditionsreiche Feste oder Zeremonien bestimmter Glaubensrichtungen, neu entstandene rituelle Praktiken oder gesamtgesellschaftliche Traditionen handelt - Tanz und Musik lassen die Teilnehmer miteinander, mit dem Publikum und mit ihren spirituellen Vorstellungen und Glaubensinhalten verschmelzen. 

 

In diesem Heft stellen wir verschiedene dieser Praktiken vor, sprechen mit Tänzern und gehen der Frage nach, welche Rolle Tänze generell in rituellen und spirituellen Zeremonien übernehmen. Unter anderem stellen wir eine Gruppe vor, die in Spanien „danzas préhispanicas“ praktiziert und widmen uns Tänzen im chilenischen sowie bolivianischen Karneval. Ein Maracatú-Trommler beschreibt, was die Verbindung von Musik und Spiritualität für ihn persönlich bedeutet, und im Interview mit einem brasilianischen Capoeirista wird der spirituelle Hintergrund der Symbiose aus Kampf und Tanz deutlich. 

 

Eine spannende und aufschlussreiche Lektüre wünscht,

 

die matices-Redaktion



Inhaltsverzeichnis

Gesellschaft

Schwerpunkt: Ritus und Rhythmus

  • Was Menschen bewegt. Eine Auswahl religiöser, ritueller und spiritueller Tänze Lateinamerikas - von Jan Göthlich, Vera Wurst, Mathias von Lieben, Rebecca und Mila Brill
  • Zwischen Widerstand und folkloristischem Spektakel. Die Gruppen der Danza Prehispanica in Madrid - von Eva Youkhana
  • „Manche Dinge im Maracatu sind heilig“. Candomblé, Katholizismus, Spiritismus und Schamanismus in Köln - Interview von Caroline Brünen
  • Donde papas y flores bailan. La danza, los animales, la indumentaria y el ciclo agrícola - por Eveline Sigl
  • „A Capoeira é vida!“. Capoeiristas aus Brasilien erläutern, wie der Kampf-Tanz ihr Leben beeinflusst - von Charlotte Koch
  • El demonio se rinde ante la Virgen. La riqueza cultural de las fiestas religiosas en Chile - por Alfonso Cortés Fajardo
  • Voces directas. Die zum Tanz gewordene Wallfahrt

Kultur

  • Malerei als Akt der Dekolonisierung. Überlegungen anlässlich der Werkschau im Centre Pompidou - von Peter W. Schulze
  • Relato ilustrado - por Guillermo Cimadevilla y Juli Soloaga
  • Wir haben sie so geliebt, die Revolution. Alfredo Jaar in einer Retrospektive im Musée d’art contemporain Marseille - von Dirk Ufermann
  • Blanca Moreno. Del Amazonas al Rin - por Laura Restrepo Parrado
  • ‘El Chapo’ Guzmán. Una captura de película - Comentario por Luis García Casas
  • Eigentlich ist nichts passiert? Sozialkritische Filme aus Lateinamerika auf der Berlinale - von Sonja Hofmann
  • Maquinaria panamericana. Entrevista con Joaquín del Paso - Interview von Verena Schmöller
  • Eva schläft nicht. Die Rätsel um den Leichnam Eva Peróns - von Ute T. Schneider
  • Un duo conscientemente provocador. Rap argentino que «apoya a la gente que está en lo peor» - Entrevista por Charlotte Koch

Rezensionen

  • Musiktipps
  • Ein wildes Leben. Über Miguel de Cervantes
  • Ein kleines bisschen Horrorshow. ‚Das Gift‘ von Samanta Schweblin
  • Post aus... Rurrenabaque, Bolivien


Artikel zum Lesen

Im Namen der Klimagerechtigkeit

Gesellschaft 


Kleinbauer aus Peru klagt gegen deutschen Energiekonzern

 von Will Frank

Erstmals wird in Europa ein Unternehmen als Mitverursacher des Klimawandels rechtlich in die Verantwortung gezogen. Die erheblichen Emissionsmengen des deutschen Energie-konzerns RWE haben Einfluss auf globale klimatische Veränderungen. In Peru hat der Kleinbauer Saúl Luciano Lliuya Klage gegen RWE eingereicht. Der steigende Wasserspiegel eines Gletschersees gefährdet Lliuyas Familie und Haus sowie einen großen Teil seiner Heimatstadt Huaraz. Es droht eine Flutkatastrophe, wenn Eisbrocken des Gletschers in den See stürzen. RWE soll sich an den notwendigen Sicherungs-maßnahmen beteiligen. Doch lässt sich die Verantwortung für die Folgen des von Menschen verursachten Klimawandels mit den Kategorien des Rechts erfassen?

„A Capoeira é vida!“

Schwerpunkt

 


Capoeiristas aus Brasilien erläutern, wie der Kampf-Tanz ihr Leben beeinflusst

 von Charlotte Koch

Capoeira ist eine brasilianische Tanz-Kampf Kunst, die ihren Ursprung in der Senzala, den Hütten der ehemaligen Sklaven und den Quilombos, Siedlungen entflohener Sklaven, zur Zeit des kolonialen Brasiliens hat. Der genaue Ursprung ist unklar, eines steht jedoch fest: Capoeira wäre ohne den Einfluss Afrikas in Brasilien und die Missstände der versklavten afrikanischen Bevölkerung nicht entstanden.

‘El Chapo’ Guzmán

Kultur


Una captura de película

Comentario por Luis García Casas

Los movimientos del mayor narcotraficante de la actualidad para ver su vida reflejada en la gran pantalla ayudaron en la operación que culminó con su detención. ¿Por qué el hombre más buscado del mundo baja la guardia hasta el punto de reunirse con gente del cine?




Fotostrecke | „Paz Armada“

Militärische Befriedungsstrategien in Rio de Janeiro

Fotograf Luiz Baltar


Seit sechs Jahren hält der Fotograf Luiz Baltar die Auswirkungen von Zwangsumsiedlungen und Militarisierung der Favelas von Rio de Janeiro infolge der sogenannten Befriedungsstrategie der brasilianischen Regierung in seinen Bildern fest. Sein Ziel ist es, den Widerstand leistenden Bewohnern Sichtbarkeit zu verschaffen. Mit seinen Fotos der Reihe „Paz Armada“, die seit November 2010 in verschiedenen Favelas von Rio entstanden sind, stellt der brasilianische Fotograf auch die Frage, wie sozialer Frieden in den Vierteln überhaupt entstehen könnte.

 

Luiz Baltar ist brasilianischer Dokumentarfotograf und hat in Rio de Janeiro an der Escola de Belas Artes UFRJ und an der Escola de Fotógrafos Populares studiert. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit Wohnrechten, dem Recht auf die Stadt und damit verbundenen sozialen Bewegungen in Brasilien. Weitere seiner Bilder finden sich auf seiner Internetseite (http://luizbaltar.com.br/ensaios). In Kürze erscheint auch ein Bildband, herausgegeben von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Brasilien. Interessierte können sich per E-Mail vormerken lassen (oxis.bonn@gmail.com).

Ausgabe 85: Ritus und Rhythmus

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