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Ausgabe 93: Habitat - Alternativer Wohnraum in Lateinamerika.

Habitat ist Latein und bedeutet ‚[es] wohnt‘. Im deutschen Sprachgebrauch bezeichnet es meist den (biologischen) Lebensraum. Bei Wikipedia heißt es, das Habitat sei „der charakteristische Aufenthaltsbereich einer bestimmten Tier- oder Pflanzenart”. Mittlerweile wird der Begriff jedoch nicht nur synonym zu Biotop verwendet, sondern auch, um die Lebensstätte einer Gemeinschaft zu bezeichnen. Diese Bezeichnung eines (Wohn-)Raums kann also ganz verschiedene Ebenen bezeichnen: Der Nestbau eines Tieres unterscheidet sich deutlich von dem Wachsen einer Stadt. „Alles Leben ist Wohnen. Schaffen einer Bleibe. Wohnen bedeutet in den Spuren vergangenen Lebens zu bleiben” schrieb der Philosoph Ivan Illich. Das Tier sucht sich sein Territorium durch Instinkt. Sein Nest dient als temporärer Raum für die Fortpflanzung seiner Art. Der menschliche Wohnraum soll mehr sein, ein teils privates, teils soziales Zuhause, doch im Rahmen rationalen und ökonomischen Bauens wird das Schaffen eines eigenen, persönlichen Wohnraums schwerer.

Bauvorschriften und vorkonfektionierte Apartments und Fertighäuser schränken die Flexibilität und Diversität in der Gestaltung des menschlichen Habitats ein.

 

In Lateinamerika jedoch gibt es Ansätze, die genau dies wieder mehr in den Blick nehmen. Wir stellen einige Beispiele dafür vor. In Uruguay etwa bauen Wohnkooperativen gemeinsam, nach den eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen. Hier werden Neubauten in einer guten Grundqualität auch für eine Klientel erschwinglich, die sich Eigentum ansonsten nicht leisten könnten. Das Modell wurde von der UN-Habitat-Konferenz ausgezeichnet und dient als Vorbild für Kooperativen in ganz Lateinamerika. Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Gestaltung von Wohnraum ist Nachhaltigkeit: Das Prinzip der “drei R” - reducir, reciclar, reutilizar findet beispielsweise beim Earthship-Projekt in Argentinien Anwendung. Wir stellen das Schulprojekt vor, das neben dem nachhaltigen Bauen auch darauf setzt, zu überdenken, wie wir die Welt bewohnen wollen. Recycling wird auch bei den Beispielen aus Guatemala großgeschrieben: Abfälle, Müll, Schutt werden hier gesammelt und als Baumaterial wiederverwendet. Ökologisch einwandfrei - und angelehnt an die seit langer Zeit auf dem Land viel genutzte Lehmbauweise - baut auch die Hare-Krishna-Gemeinde in Peru, das Ergebnis zeigen wir in einer Bilderstrecke: Hier wurde ein Ort geschaffen, der an die Lebensweise einer bestimmten Gemeinschaft angepasst ist und genau auf deren Bedürfnisse zugeschnitten ist. Dies gilt auch, jedoch auf ganz andere Art, bei den “umzäunten Städten” in Chile. Die ciudad vallada ist eine Stadt, entworfen auf dem Reißbrett, mit dem Hauptziel: Sicherheit. Hier wird das Prinzip einer gated community innerhalb einer bestehenden Stadt ausgedehnt auf eine artifizielle, eigene Kleinstadt.

 

Im Themenspecial “Habitat” steht also im Vordergrund, wie Menschen in Lateinamerika wohnen - wir betrachten dabei aber weniger die Art von Stadt, Zuhause oder Wohnraum, die die letzten Jahrzehnte bestimmt, sondern wenden uns neue Entwicklungen zu. Die Beiträge zeigen: einerseits gibt es problematische Entwicklungen, die Zersiedlung, die Belastung der Umwelt, soziale Trennung und ähnliches einschließen. Gleichzeitig gibt es aber auch gegenläufige Trends, die sich genau diesen Problemen zuwenden, und versuchen, dafür kreative Lösungen zu finden, und das menschliche Habitat aktiv zu gestalten.

 

Ein teurer Spaß, nicht nur für diejenigen, die dort wohnen, sondern auch alle anderen, die die Kosten von Staus und Zersiedlung mittragen müssen. Auch bei der Vermietung von AirBnB-Apartments treten ähnliche Probleme auf. Wir schauen auf die Auswirkungen der Ausbreitung des “AirSpace”, ein Raum, der eine mobile, kosmopolitische Elite anspricht, die sich überall auf der Welt zuhause fühlen soll.

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Ausgabe 92: Lateinamerika im Klimawandel - Konsequenzen, Reaktionen, Perspektiven.

Mit Ausnahme des US-amerikanischen Präsidenten wagt es kaum noch jemand, den Befund ernsthaft in Frage zu stellen: Das weltweite Klima verändert sich und der Mensch ist verantwortlich dafür. Worüber vor wenigen Jahrzehnten noch kontrovers gestritten wurde, gilt heute als unumstößlicher Fakt. Längst ist nicht mehr die Rede davon, den Klimawandel zu verhindern. Es geht nur noch darum, die Erderwärmung und ihre für uns Menschen verheerenden Folgen einzudämmen.

 

Während Mitteleuropa den Klimawandel durchaus zu spüren bekommt – etwa in Form heftiger Herbststürme oder schmelzender Alpengletscher – leiden andere Erdteile noch viel mehr. In einer von so großer Biodiversität gekennzeichneten Region wie Lateinamerika haben selbst geringe klimatische Veränderungen eine enorme Wirkung. Leichte Anstiege der Meerestemperatur führen zu Korallensterben und deutlich heftigeren Tropenstürmen. Verlängerte Trockenzeiten machen der Landwirtschaft zu schaffen. Der schwindende Permafrost destabilisiert die Anden.

 

Hinzu kommt die, euphemistisch ausgedrückt, sozioökonomische Diversität der Region: Die Armen trifft es am härtesten.Während sich die Superreichen in den Großstädten auch weiterhin in Hubschraubern von Hausdach zu Hausdach fliegen lassen werden, erodieren in anderen Gegenden mit den Böden auch die Lebensgrundlagen der Bauern.

 

Der Klimawandel ist vieles: Zeugnis der menschlichen Gedankenlosigkeit der Vergangenheit und bittere Realität im Hier und Jetzt. Düsteres Zukunftsszenario und Jahrhundertherausforderung. Aber vielleicht auch Antrieb eines gesellschaftlichen Umdenkens hin zu nachhaltigem Wirtschaften und einem Zusammenrücken der Gesellschaft. Denn noch kann der Mensch gegensteuern und den Veränderungen begegnen, die er selbst ausgelöst hat.

 

In dieser Ausgabe werden wir einige Facetten dieses Kampfes im lateinamerikanischen Kontext thematisieren. Den Anfang macht die „Energiewenden in den Kinderschuhen“ - eine Übersicht zu den unterschiedlich weit gediehenen Anstrengungen zur Abkehr von fossilen Energien in der Region. Auch die Karibik wird behandelt, obwohl sie streng genommen nur teilweise zu Lateinamerika gehört. Doch besonders die Hurrikans des vergangenen Sommers haben Aufmerksamkeit erregt. Dr. Horst Michael Vogel berichtet von weiteren Herausforderungen des Klimawandels auf den fragilen Lebensraum und was auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit dort leisten kann. Außerdem Daniel Fonseca aus Costa Rica: Das Land setzt bereits seit geraumer Zeit auf Hydroenergie und nachhaltigen Tourismus. Wasserkraft spielt auch in Kolumbien eine wichtige Rolle. Doch im Artikel „Colombia enfrenta el cambio energético“ wird aufgezeigt, dass diese Form der Energiegewinnung nicht unproblematisch ist. Einige Probleme bringt auch der Abbau von Lithium für E-Auto-Batterien mit sich, wie Sophia Boddenberg aus Chile zu berichten weiß. Und zu guter Letzt geht es nach Brasilien: Wie äußert sich der Klimawandel im ohnehin sensiblen Amazonas-Gebiet?

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Ausgabe 91: ¡Viva la velolución! Das Fahrrad als Politikum

Das Fahrrad, wie wir es heute kennen, wird in diesem Jahr 200 Jahre alt: Das erste lenkbare Fahrrad, die vom Mannheimer Karl Drais entwickelte “Laufmaschine” war 13km/h schnell und wog knapp über 20kg - als Alternative zum Pferd eine Revolution. Mittlerweile gibt es Fahrräder, die nur noch wenige Kilo wiegen und die Rekordgeschwindigkeit (im Windschatten) liegt seit 1995 bei 268km/h. Das Fahrrad hat eine beeindruckende Geschichte hinter sich, und bisher scheint es nicht, als sei die Entwicklung des Drahtesels und seiner Nutzung an einem Ende angekommen.

 

Die Idee, sich auf Rädern aus eigener Muskelkraft fortzubewegen, lässt Menschen auch heute noch kreativ werden. Minimalistische Fixed-Gear-Räder, voll ausgestattete Elektroräder oder aerodynamische Lastenräder sind nur einige Beispiele für Entwicklungen aus den letzten Jahren. Aber das Fahrrad ist nicht einfach nur ein vielfältiges Fortbewegungsmittel. Gerade mit Blick auf aktuelle Debatten um Umweltschutz, eine soziale Infrastruktur und das Recht auf Stadt zeigt sich, dass sich an der Frage, wer sich wie fortbewegt, hitzige Debatten und politische Kampagnen entzünden können.


In vielen Großstädten Lateinamerikas ist die Gestaltung der urbanen Infrastruktur und Mobilität ein hoch relevantes Thema. Es geht dabei in Bezug auf das Fahrrad einerseits um die Rolle von nicht-motorisierten Teilnehmern am oft überlasteten Verkehrsnetz. Andererseits zeigt sich am Beispiel Fahrrad auch, welche gesellschaftlichen Fragen außerdem diskutiert werden (müssen): Gruppen von Frauen nutzen das Fahrrad, um selbstständig mobil zu sein, Menschen ohne Auto nutzen Räder als günstigen Ersatz und umweltbewusste Bürger fordern mit der Radnutzung ein sozialeres und nachhaltigeres Leben in der Stadt.


In den letzten Jahren haben sich in den Städten Lateinamerika so immer mehr Formen des Fahrrad-Aktivismus gebildet. Mal handelt es sich um von Bürgern organisierte Aktivitäten, mal sind es Projekte der Regierung. Der Themenschwerpunkt in diesem Heft greift diese und weitere Aspekte rund um das Rad auf: Es geht unter anderem um den Radsport in Kolumbien (“Auf dem Weg nach oben”); Aktivisten und Organisationen verschiedenster Länder werden vorgestellt (u.A. “Por quê pedalar é um ato político”); Vicente Ugalde macht aber auch klar, dass das Fahrrad kein Allheilmittel für Probleme des städtischen Verkehrs ist (“Derecho a pedalear, derecho a la ciudad”). Unabhängig davon, wie man die derzeitigen Entwicklungen um das Fahrrad bewertet - dass es sich dabei um einen Prozess handelt, der die Gesellschaft verändern kann, ist klar. In diesem Sinne schreibt Martin Herrndorf treffend: ¡Viva la Velolución!

 

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Ausgabe 90: Besonders teilhaben - Behinderung in Lateinamerika

Wie geht die Mehrheit mit Minderheiten um? Sie nutzt sie als Schimpfwort. Was früher der “Spasti” war, ist heute der “Homo” oder das “Opfer”. Gleich geblieben ist der empathielose Umgang mit Menschen, die anders sind.

 Menschen mit Behinderung sind anders und sie bilden die größte Minderheit der Welt: 1 Milliarde Menschen lebt mit einer Behinderung. In Lateinamerika sind es mit 66 Millionen rund zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung.

 Die meisten Menschen kommen selten mit Menschen mit Behinderung in Berührung und wenn es geschieht, sind sie oft emotional indifferent und wissen nicht damit umzugehen. Wie verhält man sich? Wohin schaut man? Was darf man sagen? Wann soll man helfen? Weltweit werden Menschen mit Behinderung ausgeschlossen und weggesperrt; die Teilhabe an einem normalen Leben ist für sie ungleich schwerer als für die vermeintlich Gesunden.

 2006 stellte der damalige ecuadorianische Vizepräsident Lenín Moreno drei Fragen im Bezug auf Menschen mit Behinderung: “Wo sind sie, wie geht es ihnen, was brauchen sie?” Die Antworten waren erschreckend, sagte Moreno in einer Rede vor der UN-Vollversammlung 2010. “Nicht im entferntesten haben wir uns vorgestellt, was wir fanden: verlassene Menschen in Erdlöchern und Käfigen. Stille war ihr Begleiter, der Tod ihre einzige Hoffnung.” Damals gab Ecuador 900.000 Dollar pro Jahr für Menschen mit Behinderung aus, mittlerweile sind es rund 200 Millionen Dollar.

 Mit der Ratifizierung seitens Ecuadors trat die UN-Behindertenrechtskonvention am 3. Mai 2008 in Lateinamerika in Kraft. Die Konvention ist ein universelles Rechtsinstrument, das soziale Standards definiert, an denen sich die Vertragsstaaten messen lassen müssen. Inklusion und Barrierefreiheit sind mittlerweile auch Menschen ohne Behinderung ein Begriff - aber sind sie mit Inhalt gefüllt oder bisher nur leere Worthülsen?

 Wir haben nachgefragt, was Inklusion in Lateinamerika in der Praxis bedeutet.

Antworten geben Lenín Moreno, der frisch gewählte Präsident Ecuadors und der erste Staatspräsident im Rollstuhl; Christa Maria Stark de Diaz, eine Sonderschulleherin aus Peru, die bemängelt, dass dort “die Inklusion ausgebrochen” ist; oder Juan Angel de Gouveia, Vizepräsident von RIADIS, einem Behinderten-Dachverband mehrer Nichtregierungsorganisationen.

Zudem lassen wir uns erzählen, wie Birgit Kober, die Goldmedaillengewinnerin im Kugelstoßen, die Paralympics in Rio erlebt hat, zeigen dass “Behinderung” nicht nur als Wort ungemein schwierig und vieldeutig ist, sondern auch als Gebärde und schauen, wie Brasilien mit seinen Menschen mit Behinderung umgeht. Zu guter Letzt skizziert uns die brasilianische Künstlerin Sophia Pinheiro das Thema auf eine charmante und kluge Art. Behinderung begriffen als Verschiedenheit. Eine Verschiedenheit, die angenommen und gelebt werden will; nicht ausgegrenzt, benachteiligt, bestraft.

 

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Ausgabe 89: Krieg, Frieden, Kolumbien.

Kolumbien, Krieg und Frieden. Drei Worte auf weißem Hintergrund. Wer Matices kennt, weiß, dass die Cover meist bunt und farbenfroh ist - als Zeichen für Vielfalt. Was bedeutet nun dieser ungewohnte weiße Hintergrund? Mit der Farbe Weiß verbinden wir Idealvorstellungen: Die Friedenstaube ist weiß, genauso wie die Flagge, die gehisst wird, um zu signalisieren, dass ein Krieg beendet ist. Weiß als Gegensatz zu schwarz. Schwarz: Angst, Bedrohung, Asche, Härte und Hass. Helligkeit wirkt besonders dort, wo es früher dunkel war. Frieden wird dort gebraucht, wo zuvor Krieg herrschte oder Konflikte vorherrschend waren. Weiß ist die hellste aller Farben und in der Farbmischung des Lichts ist Weiß zugleich die Summe aller Farben. Die erste Matices-Ausgabe des Jahres 2017 vereint diese Aspekte im Hinblick auf Kolumbien: Die vielen Facetten, die Krieg und Frieden bedeuten und die unterschiedlichen Entwicklungen, die sie mit sich bringen.

Diese Ausgabe beleuchtet die vielfältigen Aspekten des kolumbianischen Bürgerkrieges und der Friedensvereinbarungen. Wir berichten vom soziokulturellen Konflikt der Genderfrage, von gewaltsamen Vertreibungen der Zivilbevölkerung, von den Gewaltdynamiken paramilitärischer Gruppierungen und von einem der grausamsten Verbrechen seit Anfang der kriegerischen Auseinandersetzungen, dem Massaker von Bojayá. Dabei kommen viele wichtige Fragen auf: wie lässt sich erklären, dass nach Jahrzehnten von Gewalt und Terror die kolumbianische Bevölkerung den in Havanna ausgehandelten Friedensvertrag dennoch abgelehnt hat? Inwiefern wird nach dem überarbeiteten Abkommen tatsächlich Frieden in Kolumbien einkehren und wie lang wird das dauern? Oder werden Diskriminierung, Ungerechtigkeit und Gewalt weiterhin im südamerikanischen Land vorherrschen?

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Ausgabe 88: Sprachenvielfalt Lateinamerikas

Latinoamérica. Diese Bezeichnung lässt vermuten, dass man in Süd- und Mittelamerika als Sprecher romanischer, also aus dem Lateinischen hervorgegangenen Sprachen, gut aufgestellt ist. Doch jeder, der Teile von „Latein“-Amerika bereist hat, weiß, dass das nicht der Realität entspricht. Natürlich stimmt es, dass Spanisch und Portugiesisch fast überall Hauptverkehrssprachen sind. Europäische Sprachschüler kennen jedoch ebenso wie etwa gebürtige Chilenen, Argentinier oder Brasilianer die Situation, dass sie ihres Wissens nach korrektes Spanisch oder Portugiesisch sprechen - und andernorts dennoch nicht verstanden werden. Bei der räumlichen Ausdehnung und der Menge von Einflüssen ist es nicht verwunderlich, dass die durch die Kolonialisierung verbreiteten Sprachen große regionale Unterschiede aufweisen. Wie stark diese Verschiedenheiten und wie vielfältig die Einflüsse tatsächlich sind, ist allerdings durchaus erstaunlich.

Aber die sprachliche Vielfalt Lateinamerikas zeichnet sich nicht nur durch Regionalismen im Spanischen oder Portugiesischen aus. Es werden weit mehr Sprachen gesprochen, geschrieben und gelebt. Und nicht zuletzt bildet Sprache einen wichtigen Teil der lokalen Identitätsbildung, vor allem für indigene Gemeinden. Diese bemühen sich in vielen Fällen mit dem bewussten Gebrauch indigener Sprachen darum, alternativen Lebensrealitäten Anerkennung zu verleihen. Allein im Amazonasbecken werden mehrere hundert Sprachen verschiedener Sprachfamilien gesprochen. Es existieren aber auch Sprachen wie Quechua, die in regionalen Varianten von mehreren Millionen Sprechern gesprochen werden. Oft genug werden indigene Sprachen gegenüber der nationalen Amtssprache jedoch diskriminiert und deren Sprecher damit benachteiligt.

Um derartige Probleme, aber auch aktuelle Prozesse der Wiederbelebung und Anerkennung indigener Sprachen wird es in dieser Ausgabe von matices gehen. Die Sprachen, um die es im Themenschwerpunkt geht, sind unter anderem Aymara, das vor allem in Bolivien, Peru und Chile gesprochen wird, oder auch die verschiedenen Maya-Varianten aus Guatemala und Mexiko. Interviews, Berichte und Gedichte zum Thema zeigen, dass Lateinamerika sprachlich eine weitaus größere Vielfalt zu bieten hat, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

 

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Ausgabe 87: Wo steht Portugal?

Portugal, am Südwestrand Europas gelegen, war einst das Tor zur Neuen Welt. Im Gegensatz zu seinem iberischen Nachbarn, dessen Ziel es war, schnelle Gewinne zu machen, gingen die Portugiesen, den Aufbau ihres Weltreiches gezielt an. Die Spanier erzählten Geschichten von El Dorado, die Portugiesen hingegen hatten einen Plan. Sie schufen Handelsbeziehungen. Keine Hau-Ruck-Conquista, sondern solider, durchdachter Aufbau von Strukturen. Die Seefahrernation war in ihrem Vorgehen sehr modern. Zwei Drittel der bewohnten Erde entdeckten sie auf dem Seeweg.

Als EU-Mitglied gelang es ihnen mit ihrer pragmatischen Art, den ökonomischen Entwicklungsrückstand im europaweiten Vergleich aufzuholen. In manchen Fällen übertrieben sie dabei ein wenig, zum Beispiel beim Straßenbau (umgerechnet auf die Bevölkerung, gibt es in Portugal 60 Prozent mehr Straßen als in Deutschland) und vergaßen darüber ein Pfund, mit dem sie eigentlich wuchern könnten: Ihre Randlage. Portugal besitzt 832 Kilometer Küstenlinie, und ist damit im Verhältnis zur Landmasse, die größte Meeres-Wirtschaftszone Europas.

 Momentan scheint Portugal nicht recht zu wissen, wohin die Entwicklung geht. Sie sind zum einen fest eingebunden in die EU und befinden sich dort in einer ähnlich prekären Situation, wie ihre südeuropäischen Nachbarn - die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 37,4 Prozent (2014) ähnlich hoch wie in Spanien (56 Prozent) und Griechenland (um die 60 Prozent) - zum anderen ist Portugal weiterhin verbunden mit seinen ehemaligen Kolonien, wohin viele Portugiesen mittlerweile auswandern, weil es dort Arbeit für sie gibt.

 Die Szene auf dem Titelbild mutet surreal an. Ein Paar roter Schuhe steht verloren in der Lissabonner Innenstadt und zieht verwunderte Blicke auf sich. Es heißt, um sich zu finden, muss man sich erst einmal verlieren. In der EU findet Portugal kaum Beachtung, es scheint verloren, aber vielleicht hat Portugal sich auch gerade auf einem richtigen Weg begeben, um sich erneut zu finden. In unserem Schwerpunkt blicken wir auf das Land und seine Menschen. Wir ziehen Bilanz, fragen, wo Portugal steht, in welchem Zustand es sich befindet. Und wir geben Ausblicke darauf, was zukünftig sein könnte.

 

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Ausgabe 86: Jenseits von Olympia. Metropolen in Bewegung.

Die Stadt als Raum des Zusammentreffens, der Inklusion und der Vielfalt – um dieses Ideal geht es in der Debatte um das Recht auf Stadt, die im Kontext weltweiter Urbanisierung und der Bildung von Megastädten immer wichtiger wird. In Brasilien stehen derartige Themen derzeit besonders im Fokus: Einerseits ist die Zahl der Menschen, die in Städten leben mit über 80% der Bevölkerung hoch, andererseits werden für die anstehenden Olympischen Spiele gerade milliardenschwere Projekte umgesetzt – die Städte geraten in Bewegung.

Jedoch bewegt sich die Stadtentwicklung in eine Richtung, die der Lebenswirklichkeit großer Teile der Bevölkerung widerspricht. Dies zeigt sich in den vielfältigen Protesten und sozialen Bewegungen in Brasiliens Städten, die aus unterschiedlichen Perspektiven ein „Recht auf Stadt“ artikulieren. Die Projektgruppe „Menschenrechte Brasilien“ des Allerweltshauses Köln beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem Thema „Recht auf Stadt - Stadtentwicklung und soziale Teilhabe im Olympialand Brasilien“.

Die aktuelle Ausgabe von matices ist in Kooperation mit der Projektgruppe entstanden. Den Schwerpunkt bildet in diesem Heft ein Dossier mit Berichten, Reportagen und Interviews zum Thema „Jenseits von Olympia“. Es geht um die Veränderungen brasilianischer Städte im Kontext der Olympischen Spiele und darüber hinaus – Welche Auswirkungen haben die Vorbereitung von sportlichen Großveranstaltungen auf die Stadtbevölkerung? Wie kann aus Unzufriedenheit politisches Engagement entstehen? Wie äußert sich der Wunsch, den öffentlichen Raum aktiv mitzugestalten?

Das aktuelle Schwerpunktheft beschäftigt sich mit diesen Fragen und ist damit ein Teil des Versuchs der Projektgruppe, städtische Neuordnungsprozesse in brasilianischen Metropolen zu beleuchten. Aufgrund des besonderen Themas fällt das Special dieses Mal umfangreicher aus, während die Ressorts Gesellschaft und Kultur verkürzt sind. 

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Ausgabe 85: Ritus und Rhythmus

Bewegung, Musik und Gesang – ganz verschiedene Gruppen und Gemeinden nutzen diese kraftvolle Mischung seit Jahrhunderten, um ihren Glaubensvorstellungen Ausdruck zu verleihen und um miteinander religiöse oder spirituelle Feste zu feiern. In dieser Ausgabe von matices beschäftigen wir uns mit rituellen Tänzen in und aus Lateinamerika: Bewegung, Körper und Musik sind nicht nur in vielen Religionen und Ritualen ein grundlegender Aspekt, sondern auch für individuelle Lebensphilosophien. Egal, ob es sich um traditionsreiche Feste oder Zeremonien bestimmter Glaubensrichtungen, neu entstandene rituelle Praktiken oder gesamtgesellschaftliche Traditionen handelt - Tanz und Musik lassen die Teilnehmer miteinander, mit dem Publikum und mit ihren spirituellen Vorstellungen und Glaubensinhalten verschmelzen. 

 In diesem Heft stellen wir verschiedene dieser Praktiken vor, sprechen mit Tänzern und gehen der Frage nach, welche Rolle Tänze generell in rituellen und spirituellen Zeremonien übernehmen. Unter anderem stellen wir eine Gruppe vor, die in Spanien „danzas préhispanicas“ praktiziert und widmen uns Tänzen im chilenischen sowie bolivianischen Karneval. Ein Maracatú-Trommler beschreibt, was die Verbindung von Musik und Spiritualität für ihn persönlich bedeutet, und im Interview mit einem brasilianischen Capoeirista wird der spirituelle Hintergrund der Symbiose aus Kampf und Tanz deutlich. 

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Ausgabe 84: Desaparecidos. Warum Menschen verschwinden

Desaparecidos - Menschen, die gewaltsam verschwunden wurden. Im Deutschen ist das eine holprige Formulierung, so als sei uns diese Praxis gänzlich unbekannt. Doch gerade in Deutschland fand diese Terrormethode in den nationalsozialistischen Nacht und Nebel-Aktionen ihre Anwendung. Das gewaltsame Verschwindenlassen von Personen ist seit den 1960er Jahren vor allem in lateinamerikanischen, aber auch in anderen Ländern weltweit gängige Praxis. Die rechtsgerichteten Militärdiktaturen der 70er und 80er Jahre des Cono Sur entledigten sich mit Hilfe dieser Terrortaktik unliebsamer politischer Gegner, entführten, folterten und ermordeten sie, um sie dann in geheimen Massengräbern zu verscharren oder im Meer zu ertränken. Seitdem im September letzten Jahres 43 Studierende aus Ayotzinapa im mexikanischen Bundesstaat Guerrero verschwanden – also entführt und höchstwahrscheinlich ermordet wurden – sind desaparecidos auch in deutschen Medien wieder ein präsentes Thema. Die Studierenden aus Ayotzinapa stehen dabei stellvertretend für Zehntausende aus Mittelamerika und Mexiko, die in den letzten Jahren verschwanden. Auch immer mehr Frauen werden Opfer gewaltsamen Verschwindenlassens. Unter dem Begriff feminicidio ist dies vor allem aus den mexikanischen Bundesstaaten Chihuahua und Estado de México bekannt.

Die Methode des Verschwindenlassens hinterlässt keine Spuren, und Angehörige der Opfer verharren in einem Zwiespalt zwischen Resignation und Hoffnung. Auch für die Gesellschaft und die Identität selbiger hat das gewaltsame Verschwindenlassen von Personen enorme Auswirkungen.

In diesem Schwerpunktheft zeigen wir, wie unterschiedlich sich die Menschen in Lateinamerika mit dem Thema desaparecidos auseinandersetzen. Was bedeuten desapariciones für die Identitätsfindung einer Gesellschaft und eines Staates?

Und wie schlägt sich das in der Kunst nieder? Was bedeutet es für Kinder von desaparecidos, mit ihrer (wahren) Herkunft konfrontiert zu werden? Und wie kann auf politischer Ebene gegen diese Menschenrechtsverletzung vorgegangen werden?

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Ausgabe 83: Telenovelas. Wir sind, was wir sehen.

Kaum ein Fernsehformat ist weltweit so erfolgreich wie die Telenovela. Dabei könnten ihre Zutaten auf den ersten Blick kaum einfacher sein: Liebe, Lügen, Leidenschaft. Doch gerade das macht die Telenovela zu einem festen Genre, das in Lateinamerika ihren Ursprung hat und mittlerweile auch in Europa, Asien und den USA zum festen Repertoire der Fernsehsender gehört. Der Begriff „Telenovela“ wurde exportiert, auch in Deutschland wird er längst nicht mehr mit „Serie“ übersetzt. In Lateinamerika laufen Telenovelas täglich, von einigen gibt es tausende Folgen und in vielen Familien gehört die Lieblingstelenovela zum festen Tagesordnungspunkt, der zwei oder drei Generationen vor dem Fernseher zusammenkommen lässt. Die Telenovela gilt deshalb auch als Genre für die Massen. Dadurch kommt ihr nicht immer die Aufmerksamkeit zu, die sie verdient. Denn trotz ihrer einfachen Handlung, ist die Telenovela ein wichtiges Medium, in dem gesellschaftlich relevante Themen verhandelt werden. 

 

In dieser Ausgabe werden unter anderem das spezielle Format der historischen Telenovela in Mexiko behandeln, das geschichtliche Fakten mit Liebesgeschichten, Familiendramen und Happy Ends vereint. Auch der Einfl muss der kolumbianischen Telenovelas wird thematisiert, wobei sich Fragen nach Identität, Öffentlichkeit und sozialer Kommunikation mischen. Neue Entwicklungen im Genre gibt es auch: welche Möglichkeiten in den typischen Strukturen der Telenovela liegen, zeigt sich im argentinischen Experiment einer „teatro-novela“.

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Ausgabe 82: Asia Latina. Mit alten Partnern auf neuen Pfaden.

China gilt längst nicht mehr als Schwellenland, sondern zählt zu den aufstrebenden Supermächten unserer Zeit. Mit dem Wandel Chinas geht auch eine neue Entwicklungspolitik mit den Ländern des globalen Südens einher. Beispiel hierfür ist Chinas Engagement in Indien und einigen Ländern Afrikas, aber auch die chinesische Präsenz in Lateinamerika wird spätestens seit dem umstrittenen geplanten Kanalbau in Nicaragua vielerorts diskutiert. Dennoch trennen den lateinamerikanischen Subkontinent und China auf den ersten Blick so viel: ein Ozean, unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Mentalitäten, verschiedene politische Systeme, Essgewohnheiten, etc. Unüberwindbar scheint jedoch nichts davon, wie die Artikel dieses Schwerpunkthefts zu den Beziehungen zwischen Lateinamerika und China zeigen werden. Unter anderem erzählen wir am Beispiel der Städte Havanna und Lima wie sich die chinesischen MigrantInnen in der lateinamerikanischen Gesellschaft eingelebt und verankert haben oder schauen auf die viel diskutierten Investitionen und wirtschaftlichen Kooperationen zwischen den Regionen. Auch soll hier das chinesische Modell der Entwicklungshilfe thematisiert und dessen Spezifika vorgestellt werden.

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Ausgabe 81: Verfolgt, vergessen, verklärt. Ethnische Minderheiten in Lateinamerika.

Wer bin ich? Wer sind wir? Und warum sind wir anders? Fragen, die sich die Menschen schon immer und heute – so scheint es – noch mehr denn je stellen. Identität lautet hier das Stichwort. Wie ist es, in einem Land mit verschiedenen Kulturen und Identitäten zu leben? Wie gehen die Bürger damit um? Wer ist in der Mehrheiten, wer ist in der Minderheit und was bedeutet das eigentlich? Auch in Lateinamerika, einem Kontinent, der durch die Vielfalt an Kulturen Heimat vieler verschiedener Identitäten und Ethnien ist, ist die Frage aktuell und wird kontrovers debattiert. Da gibt es die Mapuche Bewegung im Süden Chiles, die beispielhaft ist für einen ungleichen Kampf indigener Gruppierungen gegen den Staat. Oder aber den Fall afroamerikanischer Frauen, die mit ihrem Anderssein Gehör und Raum in der Kunst finden. Diese und weitere spannende Artikel bilden den Schwerpunkt dieser Matices-Ausgabe. Wir beleuchten den Identitäten -Reichtum des Kontinents – auch über die Landesgrenzen hinaus.

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Ausgabe 80: Blick über den Tellerrand.

Bewusste Ernährung ist in Deutschland en vogue: Die Fair-Trade-Branche boomt, die Zahl der Veganer steigt und jeder noch so kleine Supermarkt hat ein Bio-Regal. Neben der eigenen Gesundheit, beschäftigen sich die Konsumenten heute auch mit den ökologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Ernährung. Und Politiker diskutieren regelmäßig über Themen wie genmanipulierten Mais und hormonbehandeltes Fleisch – nicht erst seit den Verhandlungen um das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Aber auch in Lateinamerika spielt bewusste Ernährung eine immer wichtigere Rolle: Boliviens Regierung verbietet Coca Cola, in Mexico wird über die Einführung einer Fast-Food-Steuer diskutiert und in Peru gehen Veganer für ihre Ideale auf die Straße. Das und mehr zeigt diese Matices-Ausgabe – und wirft dabei einen Blick über den Tellerrand!

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Ausgabe 79: Matices feiert! 20 Jahre.

Vor zwanzig Jahren - 1994 - standen die Zapatisten gegen die mexikanische Regierung auf, in Argentinien deutete sich langsam eine Wirtschaftskrise an und Guatemala verhandelte nach 36 Jahren Bürgerkrieg über den Frieden. Im selben Jahr entstand die erste Matices-Ausgabe, in einem provisorischen Redaktionsraum an der Uni Köln. Bis spät in die frühen Morgenstunden redigierten die Redakteure die erste Augabe, rauchten und tranken literweise Kaffee. Seit dieser Zeit begleiten wir Lateinamerika, Spanien und Portugal – viermal im Jahr mit einer gedruckten Ausgabe und seit 2011 auch täglich auf Facebook und Twitter. Heute, 20 Jahre später, sind die Zapatisten noch immer aktiv, Argentinien droht wieder eine Wirtschaftskrise und in Guatemala herrscht zwar kein Bürgerkrieg mehr, in Frieden leben viele Menschen aber immer noch nicht. Und was Matices angeht: Die Redaktion trifft sich inzwischen in einem eigenen Büro. Aber die letzten Zeilen dieser Ausgabe entstanden auch wieder einmal erst kurz vor Druckschluss – spät nachts, nach vielen Tassen Kaffee.

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