Zwei Welten oder eine Welt entzweit?

Mensch-Tier Beziehungen

matices Ausgabe 99: Zwei Welten oder eine Welt entzweit? Mensch-Tier Beziehungen.
matices Ausgabe 99: Zwei Welten oder eine Welt entzweit? Mensch-Tier Beziehungen.

In Zeiten wo plötzlich der Klimawandel in aller Munde diskutiert wird sollte sich der Blick auch auf jene Lebewesen richten, die an dieser Debatte – zumindest nicht direkt – teilnehmen können: Tiere.

 

In pulsierenden Großstädten wie Lima, São Paulo oder Ciudad de Mexico ist es leicht zu vergessen, dass es sie überhaupt gibt. Welche Rolle spielen Tiere im Leben der Menschen und welche spielen die Menschen im Leben der Tiere? Leben wir in zwei unterschiedlichen Welten oder ist diese eine Welt lediglich entzweit? matices möchte sich in dieser Ausgabe den unterschiedlichen Facetten von Mensch-Tier Beziehungen widmen und euch einladen die Welt der Tiere besser kennenzulernen.

 

Zunächst werden wir euch heitere und interessante Mythen, die sich in verschiedenen Regionen Lateinamerikas um unterschiedliche Tiere ranken, vorstellen. Teilweise reichen diese weit in die Vergangenheit zurück, sind aber noch heute von Bedeutung. Dem König des Dschungels – dem Jaguar – das mitunter eindrucksvollste, gefürchtetste und auch berühmteste Tier der Amerikas wollen wir mit dem Artikel „Zwischen Feindbild und mythischer Gottes-Gestalt“ besondere Aufmerksamkeit schenken. Ebenso wie der Artikel “Tortugas de agua dulce de Uruguay” zeigt er die Gefahren einer Entfremdung und die Auswüchse neoliberaler Wirtschaftspolitik auf, die Tiere zum Objekt und zur Ware herabsetzen.

 

Doch gibt es auch Hoffnung. Das Interview mit dem Inhaber einer veganen Taqueria in Mexiko Stadt zeigt, dass ein Bewusstsein für den Wert von Tieren immer mehr Menschen erreicht. Wir erfahren wie sich in einem Land, in dem ein Großteil der Nationalspeisen Fleisch beinhaltet, eine vegane Taqueria trotzdem großer Beliebtheit erfreut. Auch das Lama, welches vor der Linse fast aller Touristen, die das südliche Amerika bereisen nicht fehlen darf, ist mehr als nur ein Touristensouvenir. In der Kosmologie der Inkas und der andinen Welt spielten und spielen die Nutztiere eine tragende Rolle. Das Wohlbefinden einer Herde bestimmte maßgeblich das Ansehen der Familie, die diese Tiere besitzen.

Persönliche und nahe Einblicke in unterschiedliche Perspektiven auf und Beziehungen mit Tieren geben unsere „voces directas“.

 

Tiere spielten immer schon eine tragende Rolle im Leben der Menschen in Lateinamerika: als Halbgötter und Gefährten, als Protagonisten in unzähligen Sagen und Mythen, als Feind und als Freund. Mit der Modernisierung und der Kolonialisierung schien dies zu kippen und langsam schwanden die Tiere aus dem Leben vieler Menschen, waren nur noch entfremdet auf ihren Tellern oder im Fernsehen zu erahnen. Umgekehrt nahmen die Menschen im Leben der Tiere jedoch umso mehr Raum ein – im wörtlichen Sinne. Innerhalb der letzten Jahre kam jedoch auch eine Gegenbewegung ins Rollen, selbst in Ländern Lateinamerikas und der iberischen Halbinsel, wo der Fleischkonsum besonders hoch ist. Mit dem Themenschwerpunkt „Menschen und Tiere“ möchten wir euch die unterschiedlichen Perspektiven auf Mensch-Tierbeziehungen nahebringen. 

Inhaltsverzeichnis

Gesellschaft - sociedad(e)

 

Extranjerización de la tierra en el Ecuador

Cantón Cotacahi - Por Marcelo Crespo Enríquez

 

+ „Widerstand bedeutet, den Kopf oben zu behalten“

Kampf um Freiräume und Selbstbehauptung in Mexiko

Interview von Judith De Santis

 

Kindersoldat*innen in Kolumbien. Opfer und Täter*innen?

Von Max Nahrhaft, Maria Rath, Sarah Ribbert und Tamara Vogel

 

Digitale Anprangerung in sozialen Medien in Mexiko

Zwischen Publikation und Denunziation. Von Arnold Cosa

 

Wer ist eigentlich? Marcela Cubillos Sigall

Von Sophia La Mela

 

Länderberichte

Mexiko, Spanien, Brasilien, Peru

 

 

Schwerpunktthema

 

Zwei Welten oder eine Welt entzweit? Mensch - Tier Beziehungen

 

Tiere in der Mythologie Lateinamerikas

Von verführerischen rosa Flussdelfinen und blutsaugenden Chupacabras

Von Rebecca Jungbluth

 

+Zwischen Feindbild und mythischer Gottes-Gestalt

Mensch-Jaguar Beziehungen in den Amerikas

Von Julia Brekl und Dana Elena Harms

 

Comida vegana en un país carnívoro

La historia de la taquería ‘Por siempre vegana’ en la Ciudad de México

Por Wiebke Rimkus

 

La Llama: de animal silvestre a símbolo de la vida

y su importancia de la llama en el mundo andino

Por Hugo D. Yacobaccio

 

Tortugas de agua dulce de Uruguay Víctimas del comercio ilegal

Von Ralf Streck

 

Die Legende vom Hahn von Barcelos

Von Nélson Pereira Pinto

 

Voces directas

Marcos Ezequiel Angeloni & Angelica Chincolef Huenuman 

Kultur

 

Wie man dem Büro entkommt, ohne aus dem administrativen Takt zu geraten

Eine Werkschau von Ignacio Uriarte - Von Dirk Ufermann

 

Leidenschaft für das Schaupiel

Zur Ehrung von Antonio Banderas auf dem Filmfest München

Von Verena Schmöller

 

„Zeigen, wie unsere Kultur wirklich ist!“

Preisträgerfilme des 72. Locarno Film Festivals

Von Ute Mader

 

+Ghetto, Psychedelia und der Kampf für Minderheiten

Der elektronische Sound von Faauna im Wandel

Interview von Anne Lorenz

 

Flavia Coelho

Global-Pop mit brasilianischem Touch - Von Frank Keil

 

Rezensionen - reseñas - resenhas

 

Musik Rezensionen zu Koschitzki/ Pereira, Salvador Sobral und Ana Mazzotti

 

„Das Fremdsein steht mir bis hier“

Rezension zu Isabel Allende: Dieser weite Weg

Von Julius Hendricks

 

Jenseits von Gut und Böse

+Rezension zu Fernanda Melchor: Saison der Wirbelstürme

Von Jan Göthlich

 

El clásico: Die Kathedrale des Meeres“

Von Iliana Meier 



Artikel zum Lesen

Kampf um Freiräume und Selbstbehauptung in Mexiko

In Chiapas konzentrieren sich die Zapatisten darauf, ihre Gemeinschaften von unten zu demokratisieren
In Chiapas konzentrieren sich die Zapatisten darauf, ihre Gemeinschaften von unten zu demokratisieren

 

In einem Land wie Mexiko existieren Gewalt und Schönheit nebeneinander. Krasse Gegensätze bestimmen den Alltag, der oft schwer zu bewältigen ist. Wie schaffen es die Menschen dennoch, sich herrschenden Strukturen zu widersetzen? Die Journalistin Alexandra Endres hat eine zweimonatige Reise durch Mexiko unternommen, um diese Menschen zu treffen und ihre Geschichten zu hören. In ihrem neuen Buch zu Mexiko erzählt sie von Mut und Widerstandskraft und erklärt dabei die aktuellen Themen und Konflikte des Landes. 

Mensch-Jaguar Beziehungen in den Amerikas

In Costa-Rica ist der Jaguar das National-Symbol.
In Costa-Rica ist der Jaguar das National-Symbol. (cc)Charles J Sharp

 

Für die meisten indigenen Gemeinden im Amazonasgebiet ist der Jaguar mehr als nur ein Tier. Seit Jahrtausenden prägt der König des Dschungels Mythen und Spiritualität in Süd- und Mittelamerika. Auch auf Wappen, Geldscheinen und Markennamen wird der Jaguar noch heute als Symbol für Kraft und nationalen Stolz verehrt. Doch Inzucht, Wilderei und die Zerstörung des Regenwalds bedrohen zunehmend das Überleben der größten Raubkatze Amerikas. Auf der anderen Seite kämpfen Landwirt*innen mit der Präsenz des Jägers auf ihrem Land. Können Mensch und Jaguar miteinander im Einklang leben? 

Der elektronische Sound von Faauna im Wandel

Faauna
© Marcos Angeloni

 

Sie sind frühe Pioniere der Cumbia Digital Bewegung. Jene scheppernde Folklore, aufbereitet mit elektronischen Beats, die in den 2000er Jahren die Clubs der ganzen Welt erobert hat. Im Juni waren sie zu Gast bei der Cumbia-Partyreihe Babilla Club. Dort haben sie ein rasantes Set abgeliefert und das Publikum mit offenen Mündern und verschwitzten T-Shirts zurückgelassen. Matices hat die Gelegenheit genutzt und dem Duo nach ihrer Show noch schnell fünf Fragen gestellt. 

Musikrezensionen

  • Koschitzki/ Pereira - Brazilian Blues 
  • Salvador Sobral -Paris Lisboa
  • Ana Mazzotti - Ninguém Vai Me Segurar 

Bücherrezensionen

  • Isabel Allende - Dieser weite Weg
  • Fernanda Melchor - Saison der Wirbelstürme 
  •  Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres

Ausgabe 99: Zwei Welten oder eine Welt entzweit? Mensch-Tier Beziehungen.

In Zeiten wo plötzlich der Klimawandel in aller Munde diskutiert wird sollte sich der Blick auch auf jene Lebewesen richten, die an dieser Debatte – zumindest nicht direkt – teilnehmen können: Tiere.

 

In pulsierenden Großstädten wie Lima, São Paulo oder Ciudad de Mexico ist es leicht zu vergessen, dass es sie überhaupt gibt. Welche Rolle spielen Tiere im Leben der Menschen und welche spielen die Menschen im Leben der Tiere? Leben wir in zwei unterschiedlichen Welten oder ist diese eine Welt lediglich entzweit? matices möchte sich in dieser Ausgabe den unterschiedlichen Facetten von Mensch-Tier Beziehungen widmen und euch einladen die Welt der Tiere besser kennenzulernen.

 

Zunächst werden wir euch heitere und interessante Mythen, die sich in verschiedenen Regionen Lateinamerikas um unterschiedliche Tiere ranken, vorstellen. Teilweise reichen diese weit in die Vergangenheit zurück, sind aber noch heute von Bedeutung. Dem König des Dschungels – dem Jaguar – das mitunter eindrucksvollste, gefürchtetste und auch berühmteste Tier der Amerikas wollen wir mit dem Artikel „Zwischen Feindbild und mythischer Gottes-Gestalt“ besondere Aufmerksamkeit schenken. Ebenso wie der Artikel “Tortugas de agua dulce de Uruguay” zeigt er die Gefahren einer Entfremdung und die Auswüchse neoliberaler Wirtschaftspolitik auf, die Tiere zum Objekt und zur Ware herabsetzen.

 

Doch gibt es auch Hoffnung. Das Interview mit dem Inhaber einer veganen Taqueria in Mexiko Stadt zeigt, dass ein Bewusstsein für den Wert von Tieren immer mehr Menschen erreicht. Wir erfahren wie sich in einem Land, in dem ein Großteil der Nationalspeisen Fleisch beinhaltet, eine vegane Taqueria trotzdem großer Beliebtheit erfreut. Auch das Lama, welches vor der Linse fast aller Touristen, die das südliche Amerika bereisen nicht fehlen darf, ist mehr als nur ein Touristensouvenir. In der Kosmologie der Inkas und der andinen Welt spielten und spielen die Nutztiere eine tragende Rolle. Das Wohlbefinden einer Herde bestimmte maßgeblich das Ansehen der Familie, die diese Tiere besitzen.

Persönliche und nahe Einblicke in unterschiedliche Perspektiven auf und Beziehungen mit Tieren geben unsere „voces directas“.

 

Tiere spielten immer schon eine tragende Rolle im Leben der Menschen in Lateinamerika: als Halbgötter und Gefährten, als Protagonisten in unzähligen Sagen und Mythen, als Feind und als Freund. Mit der Modernisierung und der Kolonialisierung schien dies zu kippen und langsam schwanden die Tiere aus dem Leben vieler Menschen, waren nur noch entfremdet auf ihren Tellern oder im Fernsehen zu erahnen. Umgekehrt nahmen die Menschen im Leben der Tiere jedoch umso mehr Raum ein – im wörtlichen Sinne. Innerhalb der letzten Jahre kam jedoch auch eine Gegenbewegung ins Rollen, selbst in Ländern Lateinamerikas und der iberischen Halbinsel, wo der Fleischkonsum besonders hoch ist. Mit dem Themenschwerpunkt „Menschen und Tiere“ möchten wir euch die unterschiedlichen Perspektiven auf Mensch-Tierbeziehungen nahebringen. 

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